Der Menschen Zahl


15.
Euthanasie - Gnadentod oder Endlösung?

Vortrag von: Dr. Ph.Schepens,
Generalsekretär der World Federation of Doctors who Respect Human Life am 16.4.1988 in Bonn.

Die heutige industrialisierte Gesellschaft wird heimgesucht von einem zunehmenden Mangel an Respekt vor dem menschlichen Leben. Dies begann mit der Legalisierung der Abtreibungen in den meisten technologisch fortgeschrittenen Ländern. Und am Ende menschlichen Lebens sind dieselben Leute, die für die freie Abtreibung kämpften, nun besonders aktiv, um die Zulassung der Euthanasie zu erreichen.
 
Das ist logisch, denn wenn man einmal zugesteht, daß die Menschen nicht länger gleich sind, weil der ungeborene Mensch legal getötet werden darf, dann gesteht man damit ein, daß andere Leute ebenfalls unter bestimmten Umständen getötet werden dürfen.  Die Beendigung einer Schwangerschaft birgt in sich auch die gewaltsame Beendigung des Lebens anderer Menschen.  Wenn man der Mutter das Recht gibt, ihre ungeborene Tochter zu töten, weil sie ihr eine Last ist, dann gibt man der Tochter dasselbe Recht, ihre Mutter aus demselben Grund zu töten. 
 
Freie Abtreibung bedeutet früher oder später freie Euthanasie, weil man in beiden Fällen dasselbe Recht zu töten bestimmten Personengruppen in besonderen Umständen überläßt. Das zugrunde liegende Denkschema ist exakt dasselbe. Es ist dieselbe Mentalität, dieselbe Einstellung dem Menschen gegenüber, die Abtreibung wie auch Euthanasie als "Endlösung" für einige Probleme, die in einer Gesellschaft auftreten, diktiert.  Diese Zerstörer vom absoluten Wert jedes menschlichen Lebens arbeiten nach einem unerbittlichen System innerer Logik.  Sie zu finden ist nicht schwer, vor allem für Sie, die Sie auf politischem Gebiet aktiv sind. 
 
Jedermann, der die Gesellschaft verabsolutiert, der sie wichtiger nimmt als die Individuen, die sie ausmachen, stimmt schon mehr oder weniger bewußt mit jenen Zerstörern überein. Gerade die Vorstellung von dem, was den Menschen ausmacht, wird von jenen Leuten von Grund auf verändert. Erlaubt man einigen Menschen, andere durch Euthanasie oder Abtreibung legal zu töten, so beendet man viel mehr als das Leben der Opfer.  Dies ist auch das Ende einer Reihe von Idealen, für die die Menschheit mehr als 25 Jahrhunderte gekämpft hat: Begriffe wie Gleichheit, Demokratie und Menschenrecht. Es bedeutet einen Schritt zurück, nicht nur zur Diskriminierung, zum Rassismus - nicht länger begründet mit der Hautfarbe, sondern nun durch Chromosomen oder die Fähigkeit, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten -, einen Rückschritt zur Sklaverei oder anderen schlimmen Zuständen, aber auch zu dem sozialdarwinistischen Prinzip, daß der Stärkere auf Kosten des Schwächeren überlebt.

Aber lassen Sie uns diese neue Form der Diskriminierung und des chromosomalen Rassismus ein wenig tiefer analysieren.  Wir stellen fest, daß nach Ansicht vieler Menschen in den sogenannten industrialisierten Ländern ein ungeborenes Kind, das an einer chromosomenbedingten Behinderung leidet, abgetrieben werden muß. Die Amniozentese und die Chorionzotenbiopsie, die in großem Maße in den meisten Krankenhäusern der industrialisierten Welt angewandt werden, haben kein anderes Ziel als das: ungeborene Kinder mit Chromosomenanormalitäten systematisch zu suchen und zu töten. Und in den Massenmedien wird dies diskutiert und als Aspekt des
Gnadentodes angesehen. Es ist tatsächlich - für eine bestimmte Minderheit menschlicher Wesen - der Versuch, sie alle auszuschalten.

Es ist eine Endlösung. Es ist ein vorgeburtliches Euthanasieprogramm, das in seiner systematischen Art verglichen werden kann mit der Endlösung im Deutschland der Nazizeit für alle möglichen unerwünschten Minderheiten.  Man hat hier eine Normenverschiebung zugelassen, die bald auf andere Kategorien menschlicher Wesen
ausgedehnt werden wird. Francis Crick, der bekannte englische Physiologleprofessor und Nobelpreisträger, wollte den Zeitpunkt der offiziellen Anerkennung neugeborener Babys als menschliche Wesen ein paar Tage hinausgeschoben wissen, damit man systematisch alle Arten anormaler Babys töten könnte. Dies liegt 20 Jahre zurück, aber in regelmäßigen Abständen geben Wissenschaftler von weltweitem Rang wieder dieselbe Art tödlichen Statements ab.  Warum? Weil sie besser als andere wissen, daß die Geburt kein großer Wechsel in der Natur des Menschen oder in ihrem oder seinem Menschsein ist, so daß es grundsätzlich dasselbe ist, ob man vor oder nach der Geburt tötet.  Nur der Grad der Akzeptanz durch die Eltern mag anders sein.

Und nun sehen wir, daß an manchen Orten Stimmen laut werden, beispielsweise anencephale (hirnlose) Kinder vor und nach der Geburt zu töten.  Diese Babys werden von einigen als "nicht menschlich" definiert, von anderen (wie beispielsweise dem Philosophen und Professor für Bioethik Jean Francois Malherbe von der katholischen Universität Löwen in Belgien) als "Leichnam eines menschlichen Wesens - da die Mutter seine Bewegung in ihrem Leib fühlt und seine Herztöne gehört werden können -, auch wenn es schwerfällt, das zuzugeben".  Zitatende. (Engendrès par la Science by Edouard Bone S.J. and J. F. Malherbe, Editions du Cerf 1985, ISBN 2-204-02409-0, page 141, under.) Anencephale sind darüber hinaus auch "gutes Material" für alle Organtransplantationen, weil sie frisch und lebendig geliefert werden können, so daß selbst eine noch so geringe Zersetzung der entnommenen Organe vermieden werden kann.

Ich berichte Ihnen hier, was jetzt im Loma-Linda-Hospital in Kalifornien geschieht.  Morgen wird dasselbe Schicksal Trisomie-21-Babys zuteil werden und anderen, die an Körperbehinderungen leiden.  Große aber sichere Eingriffe, wie die Herstellung der Speiseröhre nach einem Verschluß, werden an Trisomie-21 Leidenden und anderen mit ähnlichen Krankheiten inzwischen oft verweigert.  Es ist nicht eine Diskriminierung.  Es ist eine neue Form des Rassismus. Mehr und mehr Menschen sind ebenfalls schwer bedroht, aus medizinischer „lndikation" ausgerottet zu werden.  Die Verweigerung der Behandlung Behinderter und Schwerkranker ist eine immer häufiger unzutreffende Haltung von nicht länger für das Leben engagierten Menschen im medizinischen Tätigkeitsbereich. Erst kürzlich haben einige Mediziner damit begonnen, junge Leute, die Krebs haben, zu töten, und sogar einige Patienten, die AIDS krank waren, letztere durch "Selbstmord-Tabletten" (Prof.  Voute, Amsterdam, Holland) oder durch eindeutige Euthanasie, meist verübt durch den eigenen Hausarzt (Prof.  Danner, Amsterdam, Holland).  Auch durch "assistierten Selbstmord" bei fast völlig gelähmten Mädchen, indem man sie einen tödlichen Cocktail aus Cyanid und Orangensaft trinken läßt.  Unnötig, Ihnen dies zu erklären, da Sie es in Ihrer Zeitung lesen. Ich meine das Mädchen Daniela in Karlsruhe und Dr. Hackethals Probleme mit seiner Zulassung. 

Unabhängig davon, daß an vielen Orten der Welt der Euthanasiegedanke in die Köpfe der Mediziner eingedrungen ist und ihnen half, weniger besorgt um die Älteren, die sozialen Randgruppen und andere Patienten zu sein, die ihnen in die Hände fallen, ist zu bemerken, daß die Gesellschaft mehr und mehr meint, sie müsse sich von dem
befreien, was die Nazis einst "Ballast-Existenzen" nannten.

Befürworter der Euthanasie haben außerdem vor 10 Jahren den Begriff der "passiven Euthanasie" geprägt mit dem einzigen Ziel, die aktive Euthanasie schmackhaft zu machen.  Mit aktiver Euthanasie meine ich nichts weniger als die Tötung eines menschlichen Individuums mit Mitteln der Medizin.  Abtreibung ist so ebenfalls eine Form aktiver Euthanasie. Die sogenannte passive Euthanasie ist keineswegs Euthanasie. Es bedeutet nur, daß man Menschen sterben läßt, während Ärzte und Schwestern keine außergewöhnlichen Anstrengungen mehr unternehmen, um das Leben des Patienten zu verlängern. In den meisten Fällen ist dies lediglich gute ärztliche Praxis. Viele Gesellschaften haben niemals verstanden, daß die Herrschenden den Beherrschten dienen sollten. Es war Machtübernahme durch Gewalt. Wir haben so viele Jahrhunderte gebraucht, um dies - zumindest teilweise -, zu überwinden, aber der Virus des Totalitarismus schleicht sich wieder in den Körper der heutigen Gesellschaft ein.

Die Herrschenden, bekannt als die Nomenklatura, die Oberen Zehntausend, die Parteibonzen, die Eingeweihten, all jene sind in unseren Tagen mehr oder weniger schwer angesteckt. Tatsache ist, daß diese Herrschenden durch die Veränderung des Menschenbildes zu Unterdrückern der Schwächsten werden. Eine Situation, die in den demokratischen Ländern der freien Welt weitgehend überwunden war. Diese revolutionäre Fehlinterpretation des Menschen und der Gesellschaft habe ich bereits im Oktober 1986 auf dem Jugendkongreß für das Leben in Barcelona und dem Symposium of the International Right to Life Federation "Crossroads for Mankind" im März 1986 in Rom herausgestellt.

So ist im Falle der Euthanasie das, was gesucht wird, nicht Hilfe für Menschen, um auf würdige Art zu sterben, wie es die Befürworter der Euthanasie darstellen, sondern
eine Endlösung der gesellschaftlichen Probleme einiger Ideologen. Wenn man den individuellen Menschen und die Gesellschaft als Objekt sieht, das von den Herrschenden gemanaged werden soll, so ist klar, daß dieses Objekt in Form und Funktion so perfekt wie möglich gehandhabt werden muß: Man muß nicht einmal Marxist-Leninist sein, um die Notwendigkeit zu erkennen. Jeder, der die Bestimmungen der weltweiten Menschenrechtsdeklaration mißachtet oder sie einer monistischen und utilitaristischen Sicht des Menschen unterordnet, wird diesem logischen Schluß folgen. Die Formung einer „perfekten Gesellschaft" nach diesen utilitaristischen Kriterien verlangt zunächst die korrekte Schaffung der Individuen, die alle miteinander bei guter Gesundheit sein sollten.  Unter der Maske eines sogenannten "Rechts auf Gesundheit" muß man alle Krankheiten eliminieren (was an sich gut ist) durch alle möglichen Mittel (was völlig unakzeptabel ist).  Dies schließt nicht nur die Tötung unheilbar Kranker ein, sondern auch die Festlegung des Umfanges unterschiedlicher Altersgruppen.

"Jedes Kind ein gewolltes Kind" ist der Slogan nicht nur der sogenannten "Pro Choice"-Anhänger, der Befürworter der Wahlmöglichkeit (ein Euphemismus für "Promoting Abortion People", also für Befürworter der Abtreibung), sondern auch der chinesischen Funktionäre. Dort ist das Kind von der Regierung gewollt oder nicht gewollt. China ist auf diesem Gebiet schon ein „weiter entwickeltes" Land als die westeuropäischen oder nordamerikanischen Staaten. Aber wenn man die Zahl der Kinder durch Verhütung, Abtreibung und Kindesmord reduziert, muß man, entsprechend der Logik des Systems, auch die Bevölkerung am Ende des einzelnen Lebens reduzieren. Man muß die Gesellschaft dort ebenso umgestalten.

Wir erleben tatsächlich ein richtiges Trimmen der demographischen Alterspyramide. Wenn man sie am Grund durch Verhütung, Abtreibung und Kindesmord zu sehr  ausgedünnt hat, sollte man sie auch an den Seiten beschneiden und, vor allen Dingen, die Spitze kappen durch Euthanasie. Die Pyramide muß in geometrisch perfekter Form sein.

Darum ist die Ausrottung aller unbrauchbaren Menschen ein absolutes "Muß", wenn man eine perfekte Alterspyramide will. In unserer Gesellschaft mit einer schnell anwachsenden Gruppe älterer Menschen wird es absolut notwendig sein, Euthanasieprogramme großen Ausmaßes einzufahren oder...sehr schnell bei der Jugend und vor allem den jung verheirateten Paaren eine hundertprozentige Einstellung für das Leben wiederzugewinnen, damit mehr Kinder geboren werden. Sie sehen, wie wichtig Ihre und unsere Aufgabe ist. Lassen Sie sich nicht durch die Argumentation der Befürworter des Todes zum Narren halten. Diese werden versuchen, Ihrer Gesellschaft unter dem Deckmantel des Gnadentodes Euthanasieprogramme aufzuzwingen.

Was sie wirklich wollen, ist in der Tat auf diesem Wege die "Endlösung einiger gesellschaftlicher Probleme. Sie haben sich eine demographische Unausgeglichenheit geschaffen, indem sie Verhütung, Abtreibung und in einigen Fällen Kindestötung propagierten. Nun müssen sie diese unausweichlich mit der Euthanasie korrigieren an Menschen, die sie für unfähig halten, in der idealen Gesellschaft ihrer Vision weiterzuleben. Sie müssen die Gesellschaft von jenen unproduktiven und nicht gesunden
Menschen säubern, die die Sozialversicherung zu viel kosten.

Das ist in dem Artikel "Death by Decree - Donald Gould has a simple Plan for doing away with the old" (erschienen in "New Scientist" 14. Mai 1987) sehr geistreich geschildert worden. Gould beschreibt einen imaginären Plan, nach dem man allen Menschen im Ruhestand zwangsweise eine "Euthanasie-Tablette" gibt.  Ausnahmen davon werden aber dennoch einigen Sorten Bürgern gewährt, wie den Ex-MPs, Bischöfen, dem Hochadel, Mitgliedern der Königlichen Gesellschaft, ehemaligen Vorsitzenden der Trade Union etc.... hauptsächlich natürlich, um sicherzugehen, daß der Plan im Parlament durchkommt. Die Euthanasie wird von Gould als erster Schritt in diese Richtung betrachtet. Als Bonus an die Mediziner werden mehr Möglichkeiten zum Erhalt von Transplantationsorganen gegeben, weil Gould sich darüber im klaren ist, daß die sogenannten alten Ideale wie der Eid des Hippokrates Ärzte davon abhalten könnte, an dem Programm teilzunehmen.

Weil aber nicht jeder jene Sicht der Gesellschaft und der Menschheit insgesamt teilt, müssen die Befürworter des Todes einen Propagandafeldzug unternehmen. Das geschieht bereits seit vielen Jahren, und zahllos sind heute die Euphemismen, die semantische Zerstörung und andere Verschiebungen in der Bedeutung von Worten und Begriffen. "Gnadentod" zählt hierzu.

George Orwells "newspeak" ist heute wirklich hochmodern.  Worte und Begriffe werden geändert, modifiziert und verformt, so daß das Unverdauliche auf Dauer den Leuten schmackhaft gemacht wird.  Die genaue Beobachtung des Vokabulars jener Leute bedarf intensiver Aufmerksamkeit. Was noch wertvoller ist, ist der Vergleich ihrer Terminologie mit der der Nazis. Das Wiederaufkommen von Begriffen im Stil der Nazis in den Nachrichtenmedien läßt uns tatsächlich Zeugen einer Art literarischen Auferstehung des Hitler-Schülers und Propagandaexperten Goebbels werden.  Beide - "Mercy Killing" und "Final Solution" - wurden weidlich von den Nazis benutzt und "Gnadentod" und "Endlösung" genannt.

"Wer aus der Geschichte nicht lernt, ist dazu verdammt, ihre Fehler zu wiederholen" ist die unheilvolle Feststellung eines amerikanischen Historikers. Als Lebensschützer müssen wir deshalb große Anstrengungen unternehmen und die unterschiedlichen Aspekte der Geschichte des "Euthanazismus" im Deutschland der Nazi-Ära und anderswo eingehend studieren. Die Lektüre von Büchern über diese Zeit ist notwendig, um die heutigen Bewegungen hin zu einer generellen Akzeptanz der Euthanasie verstehen zu können.

Was heute beispielsweise in Holland geschieht, kann mit dem verglichen werden, was in der frühen Periode des Nationalsozialismus in Deutschland geschah; soweit es um Euthanasie geht jedenfalls. Ich arbeite eingehend an diesem Thema und werde Ihnen eines Tages das Ergebnis meiner Nachforschungen mitteilen. Sie können bereits jetzt einiges davon in der Sondernummer "Euthanasia in Holland" Nr. 97 der "News Exchange of the World Federation of Doctors who Respect Human Life" lesen.Aber in Holland ist die Lage in mancher Hinsicht noch schlimmer als in Deutschland in der frühen Zeit des Nationalsozialismus. Und zwar deshalb, weil die Nazis sogar in späteren Perioden immer schamhafte Zurückhaltung bewahrten, wenn sie ihr Euthanasieprogramm der Massenvergasung durchführten. Die Bevölkerung wurde darüber so weit als möglich im unklaren gelassen. In Holland dagegen, wo alles offen debatiert wird, preisen die Euthanasisten ihre tödlichen Ziele entsprechend dem sehr toleranten Charakter der niederländischen Gesellschaft laut an, und Euthanasie wird von vielen inzwischen als Teil gut ausgeübter medizinischer Behandlung gesehen.  Der letzte Gesetzesentwurf des Dutch House of Representatives (Tweede Kamer der Staten Generaal) zur Euthanasie ist das beste Beispiel. Lesen Sie nur einmal den Titel: "Regelung betreffend die von einem Arzt, der sich auf höhere Gewalt beruft, zu gewährende Hilfe in Fällen der Beendigung des Lebens eines Patienten, der ein ausdrückliches und ernsthaftes diesbezügliches Begehren äußert" ("Regelen met betrekkin tot de hulpverlening door een geneeskundige, die zich beroept op overmacht bij leversbeeindiging op uit drukkelijk en ernstig verlangen van een patient").

Kurz gesagt heißt dies: Ein Arzt, der trotz der Bitte eines Patienten diese Art tödlicher Assistenz nicht gibt, gilt nicht länger als einer, der medizinisch gut behandelt. Was die Abtreibung betrifft, so werden Ärzte, die Lebensrechtler sind, in manchen Fällen von Schulungsveranstaltungen in der Geburtshilfe ausgeschlossen. Es gibt ein bereits 10 Jahre altes Schreiben des englischen Gesundheitsministeriums, daß an alle britischen "National Health Service"-Krankenhäuser geschickt wurde. Darin heißt es, daß sowohl bei den jungen Ärzten, die im Bereich Geburtshilfe ausgebildet werden wollen, als auch für Psychiater und Anästhesisten, jenen der Vorzug gegeben werden soll, die keine Einwände gegen die Abtreibung haben.

Dasselbe droht nun, wenn das Euthanasiegesetz durchkommt, in Holland zu geschehen und anderswo: Für das Leben engagierte Ärzte werden als nicht so gute Ärzte angesehen werden, weil sie sich weigern, zu praktizieren, was man für eine "gute Behandlung" hält. Wie ich schon sagte, wird das Bild vom Menschen auf dessen  utilltaristische und materialistische Dimension reduziert. Daß ein Buch mit dem Titel "Der nackte Affe" geschrieben wurde und der darwinistisch-dogmatische Glaube an einen gemeinsamen, aber phylogenetischen Ursprung aller lebenden Arten existiert, illlustriert beides die Tatsache, daß der Unterschied zwischen Mensch und Tier nicht länger als ein wesentlicher begriffen wird, sondern nur mehr als ein gradueller.

Daher die Anstrengungen der heute herrschenden Ideologen, die Gesellschaft wie ein Zuchtpotential zu handhaben, wie eine gewöhnliche Zuchtfarm, wo Eugenik und Euthanasie normale Praktiken sind.  Die Art muß deshalb verbessert werden, die Untauglichen müssen ausgemerzt werden. Das ist purer Rückschritt zum Nationalsozialismus und seinen Ideen, auch wenn der Antisemitismus nicht mehr eingeschlossen ist. Aldous Huxleys "Brave New World" und George Orwells "1984" und seine "Animal Farm" waren Vorläufer der heutigen Ideologen, wie Hitler, Rosenberg und deren Sprachrohr Goebbels.

Für alle, die sich um die Zukunft der Menschheit Sorgen machen, wird es eine wichtige Aufgabe sein, öffentlich lebensfeindliche Bestrebungen und ähnliches zu verurteilen. Warum nicht in einem neuen "Nürnberger Prozeß" auf der Grundlage der Menschenrechtsdeklaration und des hippokratischen Eides? Und in diesem neuen Prozeß werden Sie, die deutschen Lebensrechtler, bei uns sitzen und die Hausierer des Todes aus allen Ländern verurteilen.

Aber bevor das geschehen kann, müssen wir, die Lebensschützer aus Deutschland und der ganzen Welt, alles uns Mögliche tun, um eine Neubewertung des menschlichen Lebens zustande zu bringen und jedermann von dessen Heiligkeit und Absolutheit zu überzeugen, wie es in beidem, der Menschenrechtsdeklaration und dem Eid des Hippokrates, dargelegt ist.

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